Der Betreiber dieser nichtkommerziellen Webseite ist der hoch-engagierte Martin Mitchell in Australien (ein ehemaliges “Heimkind” in kirchlichen Heimen im damaligen West-Deutschland)

Weiterer Bericht von Diplom Psychologe Albert Tamborini, vom 5. April 1962, in West-Berlin,
betreffend den Jugendlichen – seit 14.07.1961 "Fürsorgezögling" – Martin Mitchell, der
sich am 2. April 1962 im Jugendschöffengericht Berlin-Tiergarten zu verworten hatte,
und der anschliessend an die Gerichtsverhandlung einen Entweichungsversuch,
vom Gerichtsgebäude aus, machte, indem er einfach auf und davon sprintete.

Der Senator für Jugend und Sport
Jugendhof
Med.-u.-Psychol.-Abteilung
Berlin-Schlachtensee
Potsdammer Chaussee 87
(Eingang Benschallee 2)
Fernruf: 84 30 06



Berlin, den 5.4.62
Ta/Ma


V e r m e r k

Betr:
Martin [ M i t c h e l l ] , geb. 28.7.1946

Im Anschluss an die Rückführung vom Hauptverhandlungstermin
[im Jugendschöffengericht Berlin-Tiergarten, in das geschlossene
"Haus Kieferngrund II"
, in Berlin-Lichtenrade, Lützowstraße 45]
am 2.4.62 versuchte Martin, unserem Zuführer, Herrn T u c h ,
zu entlaufen; er wurde jedoch nach wenigen 100 m [als er an der
anderen Seite des Kreuzberges – auf den er getürmt war – herunterkam
]
von einem Funkwagen gestellt.
[
٪ ]
Martin, der den Richter noch angesprochen hatte, möglichst schnell
seinen [5-tägigen] ["]Jugendarrest["] [in der Jugendarrestanstalt Berlin-
Plötzensee (?)
] verbüßen zu dürfen, erklärte zu seinem Entweichungsversuch,
daß er nicht geglaubt habe, daß man diese Jugendarrestverbüßung
entsprechend beschleunigen würde. Er habe vorgehabt, sich am nächsten
Tag selbst in der Jugenarrestanstalt zu melden [da er nicht noch mehr
Zeit durch weitergehende Abwesenheit von seiner Maurerlehre
verlieren wollte
, eine Maurer-Lehre, die er auf seine eigene Initiative
hin
, durch Vermittlung seines Vaters, am 24 Januar 1962, mit
Architekt und Maurermeister Paul Skibbe in Berlin-Frohnau
,
begonnen hatte
, die aber durch sein erneutes Eingesperrtsein im
geschlossenen "Haus Kieferngrund II"
, auf Anordnung des Jugend-
amtes
"aus pädagogischen Gründen"unterbrochen worden war].
[
٪ ]
[Martin wurde kurz darauf, nachdem er wieder eingefangen worden war,
erst einmal für ein paar Tage in die "Klabause" im Keller in "Haus Kiefer-
grund I" gesteckt
, um wieder zur Besinnung zu kommen.]

Martin wurde am 3.4.62 im ["]Haus Kiefergrund [II]["] gesprochen und
war noch sichtlich berührt von der Tatsache, so schnell erwischt worden
zu sein und daß sein Vater z.Z. in Untersuchungshaft einsitzt [sic **].
[
٪ ]
Seine [Martins] Haltung wirkte recht verhärtet, Einsichtsbereitschaft
war nur teilweise zu konstratieren [und er wurde deshalb, zur weiteren
Besinnung in die "Klabause" zurückgeführt].
[
٪ ]
Der Junge ist z.Z. auch recht aus der Bahn geworfen, und man
wird seinen unüberlegten Handlungsweisen mit einiger Nach-
sicht gegenübertreten müssen.

Im übrigen bleibt es bei der Planung, die im Vermerk [von mir] vom
3.4.62 zum Ausdruck gebracht wird.



A. T a m b o r i n i
(A. Tamborini) Dipl. Psych.


[**
der anscheinend wegen Missachtung in einem Zivilverfahren von gerichtlichen Anordnungen zur sofortigen Zahlung einer Geldstrafe verurteilt wurde, diese nicht zahlen konnte/wollte und deshalb in Haft genommen wurde. Nachdem die Geldstrafe gezahlt worden war, jedoch, wurde er sofort entlassen. ]


Die Nutzung eckiger Klammern für spezifische Zwecke ist international: eckige Klammern werden benutzt um zu kennzeichnen, dass ein Wort oder einText so eingeklammert, nicht im zitierten oder reproduzierten Original vorhanden ist, aber zur besseren Erklärung hinzugefügt worden ist.

»Das Symbol "sic" kommt aus dem Lateinischen und nach Aussage des DUDEN bedeutet "so, ebenso; wirklich so ! (mit Bezug auf etwas Vorangegangenes, das in dieser [falschen] Form gelesen oder gehört worden ist)".« Das hier in eckigen Klammern gesetzte Wort, steht genau so in diesem vom DUDEN zitierten Text.

Zur Hervorhebung – fette, kursive und farbige Schrift vom hiesigen Webseitenbetreiber hinzugefügt.

Das Original oder die Durchschrift der jeweilig hier aufgeführten Reproduktion der Freistätter “Fürsorgeakte” entnommenen Dokumente, wird auch demnächst eingescannt und hier als php-file abgebildet werden.

[ Erstveröffentlichung auf dieser Webseite: 1. August 2006 ]