Der Betreiber dieser nichtkommerziellen Webseite ist der hoch-engagierte Martin Mitchell in Australien (ein ehemaliges “Heimkind” in kirchlichen Heimen im damaligen West-Deutschland)

Reichsjugendwohlfahrtsgesetzt (RJWG) – Jugendwohlfahrtsgesetz (JWG) –
Fürsorgeerziehung
(FE) – Freiwillige Erziehungshilfe (FEH) – Freiheitsentziehende
Massnahme – Geschlossene Unterbringung – "
Fürsorgehaft" – "Fürsorgehäftling".

@ http://www.bmfsfj.de/RedaktionBMFSFJ/Broschuerenstelle/Pdf-Anlagen/SR-Band-182-Sozialp_C3_A4dagogische-FH,property=pdf,bereich=,rwb=true.pdf

Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend
Schriftenreihe Band 182


Handbuch Sozialpädagogische Familienhilfe
Kohlhammer


Elisabeth Helming
Herbert Blüml
Heinz Schattner

Einleitung

Über das Projekt
"Sozialpadogogische Familienhilfe in der Bundesrepublik Deutschland"


Das vorliegende Handbuch stellt die Ergebnisse des Projektes "Sozialpädogogische Familienhilfe in der Bundesrepublik Deutschland" (1.1.1994 – 31.12.1997) dar. […..]
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7.5 Jugendhilfe als präventive Erziehungsinstanz

Die Entwicklungslinien der Jugendhilfe verlaufen parallel zu denen der sozialen Arbeit insgesamt. Das Reichsjugendwohlfahrtsgesetz von 1922 z.B. regelte erstmalig auf gesetzgeberischer Ebene den Bereich der Jugendhilfe und kodifizierte das "Recht des Kindes auf Erziehung". Damit jedoch war keinesfalls ein Recht eines einzelnen Kindes auf die Entwicklung seiner Persönlichkeit gemeint, sondern eher ein Recht des Staates auf "Beaufsichtigung und eventueller Korrektur des Erziehungsprozesses namens und an Stelle des Kindes." (Peukert/Münchmeier 1990, S. 9). Korrigiert werden mußte die Erziehung von Eltern in Unterschichtfamilien. Fürsorgeerziehung war hauptsächlich ein Unterschichtphänomen. Eltern wurden "schlechte Neigungen" unterstellt, sie wurden als "geistig minderwertig" qualifiziert und dementsprechend mußten die Kinder/Jugendlichen möglichst vollständig aus dem Herkunftsmilieu und von den Eltern getrennt werden (ebd., S. 12).

Auch das bis Ende 1990 geltende Jugendwohlfahrtsgesetz (JWG) war noch stark an ein ordnungsrechtliches Hilfeverständnis, an ein Kontroll- und Eingriffsverständnis von Jugendhilfe gebunden. Die Weiterentwicklung sowohl der Jugendhilfe als auch der sozialen Arbeit insgesamt – weg von einem obrigkeitstaatlichen Eingriffsrecht hin zu einem demokratischen Hilfeverständnis – findet gegenwärtig ihren Ausdruck im Kinder- und Jugendhilfegesetz (KJHG), das heute übereinstimmend als Leistungsgesetz verstanden wird. Die Neuorientierung des Jugendhilferechts bedeutet u. a. auch, daß die öffentlichen Jugendhilfeträger nach diesem Gesetz – soweit Ihre Wächterfunktion aufgrund von Voraussetzungen des § 1666 BGB nicht berührt wird – über keinen eigenständigen Erziehungsauftrag verfügen, wie dieser nach dem alten Jugendwohlfahrtsgesetz (JWG) zu entnehmen war oder auch der Jugendhilfe in der ehemaligen DDR zukam. "Das neue Jugendhilferecht zwingt die Sozialpädagogik, Ihre 'moralische Zumutung' deutlich und offensiv einzubringen. Es schafft und benennt die Orte der Auseinandersetzung. Damit zwingt es zum Abschied von Fürsorglichkeit" (Münder 1995, S. 302).

Der Reformdiskurs der 60er und 70er Jahre konzipiert Sozialpädagogik bzw. Jugendhilfe consequent als preventive Erziehungsinstanz. In den 70er Jahren setzte eine heftige Kritik an "totalen" Institutionen der Erziehung (und der Psychiatrie) ein. In diesem Zusammenhang steht auch die Einrichtung und Entwicklung der Sozialpädagogischen Familienhilfe. Aus der Kritik an der Unterbringung von Kindern in Heimen und der Förderung der Reduzierung von Fremdplazierungen wurde das Konzept einer ambulanten präventiven Unterstüzung von sozial benachteiligten Familien entwickelt, die trotz einer großen Problembelastung vorhandene Einrichtungen wie z.B. Erziehungsberatungsstellen kaum in Anspruch nahmen. Intensive und direkte Betreuung von Familien schien vor allem für die Kinder eine bessere Lösung bei wesentlich geringeren Kosten (Nielsen Heidi 1990).



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damalige Parlamentarische Diskussion zum SGB VIII - Zweites Kapitel. Vierter Abschnitt ]

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http://www.blja.bayern.de/Textoffice/Gesetze/Textsammlung_SGB_VIII/TextOfficeSGBVIII_Zw_Kap_Vierter_Abschn.htm

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Das Jugendwohlfahrtsgesetz - von seinem Denkansatz her stärker polizei- und ordnungsrechtlich orientiert - begreift erzieherische Hilfen in erster Linie als Maßnahmen zur Abwendung einer Gefahr und beschränkt sich daher weitgehend auf die Normierung eingriffsorientierter Merkmale; ihre Ausgestaltung als staatliche Sozialleistung, die von den Betroffenen unter gesetzlich bestimmten Voraussetzungen in Anspruch genommen werden kann, fehlt. Dies gilt vor allem für die Hilfe zur Erziehung, die im Jugendwohlfahrtsgesetz nur durch die sehr weite Generalklausel des § 6 Abs.1 und 2 in Verbindung mit § 5 Abs.1 erfaßt wird. Diese Generalklausel bildet heute die - völlig unzureichende, weil zu unbestimmte - Rechtsgrundlage für den weit überwiegenden Teil der Tätigkeit des Jugendamts.

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frankfurt baut aufDokumention zur Nachkriegszeit - Berichtszeitraum: 1945-65

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http://www.aufbau-ffm.de/doku/Archiv/jugendamt.html

Erziehungshilfe

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Für eine kleine Anzahl von Jugendlichen, im Jahr 1964 = 22, wurde ein Erziehungsbeistand bestellt, der Eltern und Jugendlichen mit seinem Rat zur Seite steht. Für Fälle, in denen Heimunterbringung aus erzieherischen Gründen notwendig wird, hat das Jugendwohlfahrtsgesetz vom 11.8.1961 die Einrichtung der freiwilligen Erziehungshilfe geschaffen. Dadurch besteht die Möglichkeit, Jugendliche ohne Einschaltung des Gerichts in Zusammenarbeit zwischen Eltern und Jugendamt in ein Heim zu geben. Im Lande Hessen und in der Stadt Frankfurt am Main gab es diese Möglichkeit bereits vor der bundesgesetzlichen Regelung, und das Jugendamt Frankfurt versucht immer, den Eingriff durch das Gericht im Einvernehmen mit den Eltern zu vermeiden. Im Jahre 1964 waren 493 Jugendliche aus Frankfurt in freiwilliger Erziehungshilfe untergebracht, 67 Jugendliche waren aufgrund eines Gerichtsbeschlusses in Fürsorgeerziehung. In 70 Fällen mußte den Eltern das Personensorgerecht gemäß § 1666 BGB entzogen werden.

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Archiv des Landschaftsverbandes Rheinland

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http://www.archive.nrw.de/index.asp

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umfangreicher Archivbestand ] Fürsorgeerziehung, Freiwillige Erziehungshilfe, Landesjugendamt


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[ Erstveröffentlichung auf dieser Webseite: 12. Juli 2006 ]