Der Betreiber dieser nichtkommerziellen Webseite ist der hoch-engagierte Martin Mitchell in Australien (ein ehemaliges “Heimkind” in kirchlichen Heimen im damaligen West-Deutschland)

Rechtsstrukturen und Rechtsgrundlagen des Diakonischen Werkes der EKD –
Evangelische Kirche in Deutschland – wie angegeben in einer ihrer Veröffentlichungen.
Auszug (Seite 380-382) aus dem in 1998 veröffentlichten "Austellungskatalog"/des Buches
"Die Macht der Nächstenliebe – Einhundertundfünfzig Jahre Innere Mission und Diakonie
1848-1998"
(ISBN 3-86102-104-8), ein Buch dass nirgens im Buchhandel aufspürbar ist,
und dass keinen einzigen Satz über die Kinder-Heimerziehung, Fürsorgeerziehung (FE)
oder Freiwillige Erziehungshilfe (FEH) nach dem Zweiten Weltkrieg (1945-1985),
im westdeutschen Wirtschaftswunder, enthält.


Das Diakonische Werk der Evangelischen Kirche in Deutschland –
Verein, Verband und Teil der Evangelischen Kirche

Von Roland Klose

Das Diakonische Werk der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) ist ein kompliziertes
Rechtsgebilde. Es ist gleichzeitig ein eingetragener Verein (e.V.), einer der sechs Spitzen-
verbände der Freihen Wohlfahrtspflege in Deutschland und Teil der Evangelischen Kirche
in Deutschland. Nur bei einer gleichzeitigen Betrachtung dieser Elemente kann die heutige
Stellung des Diakonischen Werkes der EKD innerhalb der staatlichen und kirchlichen Ordnung
richtig eingeordnet werden.

1. Das Element des Vereins

Das »Diakonische Werk der Evangelischen Kirche in Deutschland e.V.« besteht aus sehr
verschiedenartigen Mitgliedern:


der Evangelischen Kirche in Deutschland,
den Diakonischen Werken der 24 Gliedkirchen der EKD sowie dem Verband freikirch-

licher Diakoniewerke,


acht Freikirchen,
derzeit 90 Fachverbänden von sehr unterschiedlicher Größe und Struktur, die die

verschiedenen Arbeitsfelder innerhalb der Diakonie repräsentieren (zum Beispiel Deutscher
Evangelischer Krankenhausverband e.V. oder Bundesverband Evangelischer Tageseinrich-
tungen für Kinder e.V.)

Die direkten Mitglieder des Vereins sind nur im Ausnahmefall selbst Leistungsbringer. Normaler-
weise haben sie selbst wiederrum selbständige Mitglieder: die Träger von Diensten und
Einrichtungen. Diese können sehr unterschiedliche Rechtsformen haben; die Spannbreite reicht
von der Form der Stiftung, des eingetragenen Vereins, der gGmbH bis hin zur Körperschaft.

2. Das Element des Verbandes

Das Diakonische Werk der EKD ist »Spitzenverband der freihen Wohlfahrtspflege«. Im
politischen System Deutschlands kommt ihm damit eine herausgehobene gesellschafts- und
sozialpolitische Bedeutung zu. Die Stellung der Wohlfahrtsverbände ist in mehreren einfachen
Gesetzen wie zum Beispiel dem Bundessozialhilfegesetz oder dem Sozialgesetzbuch festge-
halten. Die deutlichste Einordnung findet sich im Einigungsvertrag vom 31. August 1990. In Art.
32 heißt es: »Die Verbände der Freien Wohlfahrtspflege und die Träger der Freien Jugendhilfe
leisten mit ihren Einrichtungen und Diensten einen unverzichtbaren Beitrag zur Sozialstaatlichkeit
des Grundgesetzes [...]«. Neben dem Diakonischen Werk der EKD sind der Bundesverband der
Arbeiterwohlfahrt e.V., der Deutsche Caritasverband e.V., das Deutsche Rote Kreuz e.V., der
Deutsche Paritätische Wohlfahrtsverband e.V. und die Zentralwohlfahrtsstelle der Juden in
Deutschland anerkannte Spitzenverbände. Regierung und Verwaltung sind verpflichtet, mit
diesen zum Wohl der hilfebedürftigen Bürger zusammenzuarbeiten.

3. Das Element der Kirche

Das Diakonische Werk der EKD ist Teil der Evangelischen Kirche in Deutschland. In § 1 des
Kirchengesetzes über das Diakonische Werk der Evangelischen Kirche in Deutschland vom
6. November 1975 heißt es unter anderem: »Die Evangelische Kirche in Deutschland nimmt ihre
diakonischen Aufgaben unter Mitverantwortung ihrer Organe durch das Diakonische Werk wahr.«
Die Diakonie ist also kein ungebundener Verband oder Verein. Mitglied kann nur sein und
werden, wer soziale Dienste auf evangelischer Grundlage und mit kirchlicher Bindung erfüllt.
Wie das Bundesverfassungsgericht bestätigt hat, ist auch die gesamte privatrechtlich organisierte
Diakonie durch ihre kirchliche Zuordnung »Kirche im verfassungsrechtlichen Sinne«. Dies hat
eine staatskirchenrechtliche Auswirkung: Als Teil der Kirche genießt die Diakonie die besonderen
Rechte und Freiheiten des Artikels 140 GG in Verbindung mit den betreffenden Artikeln der
Weimarer Reichsverfassung. Die Diakonie hat Teil am kirchlichen Selbstbestimmungsrecht. Die
Kirche »ordnet und verwaltet« ihre Angelegenheiten selbst, etwa durch Gesetze und Ordnungen.
In manchen Bereichen (zum Beispiel Arbeitsrecht) gilt das staatliche Recht nicht.

Aufbau und Strukturen im Diakonischen Werk der EKD

Zu den direkten und indirekten Mitgliedern im Diakonischen Werk der EKD gehören heute etwa
24.000 rechtlich selbständige Dienste und Einrichtungen sowie etwa 7.000 Selbsthilfe- und
Helfergruppen. Diese bieten mehr als eine Millionen Betreuungsplätze an. In ihnen sind über
400.000 hauptberufliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter beschäftigt. Die Zahl der freiwillig
Mitarbeitenden wird auf eine ähnliche Höhe geschätzt. Sie bieten nahezu alle Formen der
sozialen Hilfeleistungen im Inland an.

Es ist eines der wesentlichsten Verdienste Johann Hinrich Wichern, die verschiedenen evan-
gelischen sozialen Initiativen vor 150 Jahren unter einem gemeinsamen organisatorischen Dach
– dem heutigen Diakonischen Werk der EKD – zusammengeführt zu haben.

Das Diakonische Werk der EKD wird heute auf der nationalen Ebene und darüber hinaus durch
eine Hauptgeschäftsstelle mit circa 400 Mitarbeitenden vertreten. Sie fördert die ihm angeschlos-
senen Werke, Verbände und Einrichtungen und dient der Zusammenarbeit der direkten und
indirekten Mitglieder. Sie vertritt die Diakonie der Evangelischen Kirche und die mit dem Werk
zusammenarbeitenden Freikirchen und die Interessen der Menschen, für die die Diakonie tätig
ist, gegenüber dem Parlament und der Regierung der Bundesrepublik Deutschland sowie in
sonstigen in- und ausländischen zentralen Organisationen und in der Öffentlichkeit. Hier werden
auch insbesondere die Auslandshilfen, darunter zum Beispiel die Katastrophenhilfe und die
Aktion »Brot für die Welt«, wahrgenommen.

Der Präsident des Diakonischen Werkes der EKD ist Leiter der Hauptgeschäftsstelle und
gewählter erster Repräsentant für alle dem Verband angeschlossenen Werke, Dienste und
Einrichtungen. Entscheidungen für die einzelnen sozialen Dienste und Einrichtungen werden
vor Ort, von den Vorständen und Geschäftsführungen getroffen. Die Einrichtungen und Dienste
sind daher sowohl als regionale Zusammenschlüsse als auch in ihrer konkreten Tätigkeit selb-
ständig.


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[ Erstveröffentlichung auf dieser Webseite: 9. August 2006 ]