Der Betreiber dieser nichtkommerziellen Webseite ist der hoch-engagierte Martin Mitchell in Australien (ein ehemaliges “Heimkind” in kirchlichen Heimen im damaligen West-Deutschland)

Schreiben vom Landesjugendamt Berlin – Senator für Jugend und Sport –
vom 22. April 1963, an die Anstalt Freistatt im Wietingsmoor
(Niedersachsen),
worin, sozusagen, "in Abwesenheit des Zöglings" Martin Mitchell,
und "ohne dass sich dieser darüber bewusst ist",

über seine, mögliche, Zukunft gesprochen und entschieden wird.



DER SENATOR FÜR JUGEND UND SPORT
LANDESJUGENDAMT

Geschäftszeichen: III D 2 1 – Ni 280746

1 BERLIN W 35, DEN 22. April 1963
AM KARLSBAD 8
FERNRUF: 710511, App. 849
(965) 849 (nur im Innenbetrieb)


An die
Anstalt Freistatt
2839 Freistatt üb. Sulingen

Anstalt Freistatt
Eing. 24. APR. 1963



Betr.: Martin [ M i t c h e l l ] , geb.am 28.7.1946

Ich nehme bezug auf Ihr Schreiben vom 6. 3. 63 und teile Ihnen
hierzu mit, daß das Jugendamt Reinickenedorf von Berlin den er-
forderlichen JGH-Bericht zu dem anberaumten Termin am 26. 4. 63
des Amtsgerichtes Sulingen, in Anlehnung meines Schreibens [als Martins
"Fürsorgerin"
] an das Kreisjugendamt Pirmasens [Pfalz], fertigen wird.

Vom Jugendamt Reinickendorf wurde mir fernmündlich mitgeteilt.
daß von dem Jugendlichen in den letzten Tagen dort ein einsichts-
voller Brief eingetroffen ist. Da ich auch in der letzten Zeit
von Ihnen keine nachteiligen Mitteilungen erhalten habe, bin ich
in der Hoffnung, daß der Jugendliche sich ein wenig eingewöhnt
hat und sich in den Rahmen Ihrer Anstalt versucht einzupassen.
Das Jugendamt Reinickendorf wird in seinem Bericht eventl. für eine
Jugendstrafe mit Bewährung plädieren, und wir [Herr Kotz und ich] sind
dazu übereingekommen, weil wir vielleicht zum Herbst dieses Jahres letzt-
malig den Versuch machen werden, Martin evtl. nach Berlin, zwecks Lehr-
beruf, zu verlegen. Sollte er sich bis dahin einigermaßen bei Ihnen
geführt haben, so denken wir, daß diese Entscheidung in Anbetracht
seines jugendlichen Alters gerechtfertigt ist; hinzu kommt, daß die beiden
anderen Geschwister [Peter, 15¾ und Adelheid, 17] jetzt eine sehr gute
Entwickelung in Berlin nehmen und somit dann alle Geschwister vereint
wären und man auf diesem Wege eine kleine Beheimatung möglich
machen könnte.

Der mir damals übersandte Antrag für die Schluckimpfung II konnte
von mir nicht unterzeichnet werden, weil nach Angaben des Jugend-
lichen die Einwilligung des Vaters zur Impfung I nicht gegeben wur-
de. Ich bitte Sie, den beigelegten Brief dem Jugendlichen nach [Ihrem]
Ermessen auszuhändigen – siehe Durchschrift – .

Im Auftrage
P a a s c h
[ "Fürsorgerin" ] (Paasch)


Moorkanzlei, den 27.2.63
G. R. an
Hv Kalus Neuwerk
...............................................
...............................................
I. A. L a n g [Diakon]


Nach Kenntnisnahme zurückgereicht.
Neuwerk, den..........
1.III.........1963
Mit freundlichem Gruß
K a l u s
[ Diakon Artur Kalus,
Hausvater "Haus Neuwerk" ]


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[ Erstveröffentlichung auf dieser Webseite: 20. Juni 2006 ]