Der Betreiber dieser nichtkommerziellen Webseite ist der hoch-engagierte Martin Mitchell in Australien (ein ehemaliges “Heimkind” in kirchlichen Heimen im damaligen West-Deutschland)

Das Landesjugendamt Berlin – Senator für Jugend und Sport –
am 12. Oktober 1962, arrangiert die sofortige Einweisung des Martin Mitchell
(der sich zu der Zeit, nach seiner vierten Entweichung aus dem Burschenheim Beiserhaus
in Rengshausen, bei Kassel in Hessen, jedoch weiterhin auf freiem Fuß befindet
)
in die Anstalt Freistatt im Wietingsmoor (in Niedersachsen),
sobald dieser wieder aufgegriffen wird.


DER SENATOR FÜR JUGEND UND SPORT
LANDESJUGENDAMT

Geschäftszeichen: III D 2 1 – Ni 280746

1 BERLIN W 35, DEN 12. Okt. 1962
AM KARLSBAD 8
FERNRUF: 710511, App. 849
(965) 849 (nur im Innenbetrieb)

An die
Anstalt Freistatt
2839 Freistatt üb. Sulingen
–––––––––––––––––––––––––––

Anstalt Freistatt
Eing 17. OKT. 1962



Betr.: Martin [ M i t c h e l l ] , geb.am 28.7.1946

Für den Jugendlichen wurde mit Urteil vom 14.7.1961 die Fürsorge-
erziehung angeordnet. Danach erfolgte die Unterbringung des Jungen in meinem Berliner Heim. Martin fand jedoch nach einiger Zeit die Mög-
lichkeit zu entweichen und hielt sich monatelang im Haushalt seines
Vaters auf.

Herr [der Vater] ist ein außergewöhnlich schwieriger Mensch mit ein-
em eingefleischten Haß auf alle Behörden, so daß es die allergrößte Mühe
machte, die Rückführung des Jungen ins Heim zu erwirken. Im gegensei-
tigen Einverständnis wurde dem Jugendlichen die Erlaubnis gegeben,
sein angefangenes Lehrverhähltnis als Maurer fortzusetzen. Martin ent-täuschte jedoch wiederum und kehrte nicht mehr ins Heim zurück. Er
befand sich erneut im elterlichen Haushault und mußte dort mit Hilfe
eines Gerichtsvollziehers herausgehohlt werden.

Eine weitere Durchführung der Fürsorgeerziehung innerhalb Berlins
war unter diesem Aspekt nicht mehr denkbar.

Der Jugendliche fand am 16.7.62 im Burschenheim Beiserhaus, Rengs-
hausen, Aufnahme. Danach ist er dort am 23.7., 28.8., 5.9. und
27.9.62 entwichen. Bisher wurde Martin nach der letzten Entweichung
nicht wieder aufgegriffen.

Das Beiserhaus berichtet über Martin, daß er kaum Disziplin-schwie-
rigkeiten bereitet hat. Ständig war er in scharfer Opposition gegenüber
allen Anordnungen von seiten des Hauses und der Jugendbehörde. Er
war auffallend uneinsichtig und hatte keinen Freund im Kameradenkreis.
Im Rahmen eines halboffenen Heimes kann der Jugendliche nach den an-
geführten Tatsachen nicht mehr belassen werden. Martin muß jetzt wirk-
lich einmal gezeigt werden, daß ihm Grenzen gesetzt sind und keine
Ausweichmöglichkeit mehr zur Verfügung steht.

Ich wäre Ihnen deshalb sehr dankbar, wenn Sie die Aufnahme des Jungen
zusagen könnten.

Weitere Unterlagen werden Ihnen vom Beiserhaus direkt zugehen, das ich
darum gebeten habe, sich mit Ihnen persönlich in Verbindung zu setzen.

Im Auftrage
P a a s c h
[ "Fürsorgerin" ]

Beglaubigt
F r ö b a
Verw.-Angestellte


Die Nutzung eckiger Klammern für spezifische Zwecke ist international: eckige Klammern werden benutzt um zu kennzeichnen, dass ein Wort oder einText so eingeklammert, nicht im zitierten oder reproduzierten Original vorhanden ist, aber zur besseren Erklärung hinzugefügt worden ist.

»Das Symbol "sic" kommt aus dem Lateinischen und nach Aussage des DUDEN bedeutet "so, ebenso; wirklich so ! (mit Bezug auf etwas Vorangegangenes, das in dieser [falschen] Form gelesen oder gehört worden ist)".« Das hier in eckigen Klammern gesetzte Wort, steht genau so in diesem vom DUDEN zitierten Text.

Zur Hervorhebung – fette, kursive und farbige Schrift vom hiesigen Webseitenbetreiber hinzugefügt.

Das Original oder die Durchschrift der jeweilig hier aufgeführten Reproduktion der Freistätter “Fürsorgeakte” entnommenen Dokumente, wird auch demnächst eingescannt und hier als php-file abgebildet werden.

[ Erstveröffentlichung auf dieser Webseite: 30. Mai 2006 ]