Der Betreiber dieser nichtkommerziellen Webseite ist der hoch-engagierte Martin Mitchell in Australien (ein ehemaliges “Heimkind” in kirchlichen Heimen im damaligen West-Deutschland)

Das Landesjugendamt Berlin – Senator für Jugend und Sport –
am 22. Oktober 1963, erklärt sich plötzlich bereit die “Fürsorgeerziehung”
des Martin Mitchell
(der zu der Zeit noch immer in Anstalt Freistatt interniert ist)
aufzuheben, und ihn nach Australien auswandern zu lassen.


DER SENATOR FÜR JUGEND UND SPORT
LANDESJUGENDAMT

Geschäftszeichen:
III D 2 1

1 BERLIN W 35, DEN 22. Oktober 1963
AM KARLSBAD 8
FERNRUF: 710511, App. 849
(965) 849 (nur im Innenbetrieb)

An die
Anstalt Freistatt
2839 Freistatt über Sulingen

Anstalt Freistatt
Eing 17. OKT. 1962



Betr.: Martin [ M i t c h e l l ] , geb. 28.7.1946

Ihr Schreiben vom 2. Oktober habe ich erhalten und nach Ihrer
ausfürhrlichen Schilderung mich dazu entschlossen, bei der
australischen Botschaft in Köln die Auswanderungsgenehmigung für
den Jugendlichen einzuleiten. Es kann möglich sein, daß von
dortiger Stelle demnächst ein Interview mit dem Jugendlichen
verlangt wird. Diese Rücksprache gehört zu den Formalitäten
der Auswanderungsgenehmigung. Ich bitte Sie, den Jugendlichen
mindestens noch bis zu dieser Rücksprache in Ihrem Hause zu be-
halten, da sich sonst durch die Verlegung nach Berlin eine
weitere Verzögerung ergeben würde. Mit gleicher Post teile
ich dem Jugendlichen mit, daß ich um Einleitung der Auswanderungs-
papiere für ihn gebeten habe, und ich hoffe, daß sich Martin
bis zu seiner Verlegung nun einigermaßen einordnet. Sollten
Sie dennoch eine Verlegung von Martin für notwendig erachten,
kann er keinesfalls nach Haus Druhwald verlegt werden, sondern
müßte dann vorübergehend in die geschlossene Abteilung des Hauses
Kieferngrund in Berlin eingewiesen werden. Ich hoffe aber, daß
unter den genannten Umständen diese Verlegung nicht mehr not-
wendig wird.

Im Auftrage
P a a s c h
[ "Fürsorgerin" ]


Morkanzlei, den 23 Okt. 63
G. R. an Hsv. Kalus, Neuwerk
zur Kenntnis- und Stellungnahme.




I.A. L a n g [Diakon]

Neuwerk, den 24.10.63
U.zck. an die Kanzlei
Wir sind damit einverstanden, daß Martin
bis zu dem Interview mit der australischen
Botschaft bei uns bleibt. Da sich die weite-
ren Formalitäten auf unbestimmte Zeit aus-
dehnen können, sind wir dann für eine Ver-
legung nach Kieferngrund (s. unsere Berichte)





K a l u s
([Diakon] [Artur] Kalus)
Hauvater


Die Nutzung eckiger Klammern für spezifische Zwecke ist international: eckige Klammern werden benutzt um zu kennzeichnen, dass ein Wort oder einText so eingeklammert, nicht im zitierten oder reproduzierten Original vorhanden ist, aber zur besseren Erklärung hinzugefügt worden ist.

»Das Symbol "sic" kommt aus dem Lateinischen und nach Aussage des DUDEN bedeutet "so, ebenso; wirklich so ! (mit Bezug auf etwas Vorangegangenes, das in dieser [falschen] Form gelesen oder gehört worden ist)".« Das hier in eckigen Klammern gesetzte Wort, steht genau so in diesem vom DUDEN zitierten Text.

Zur Hervorhebung – fette, kursive und farbige Schrift vom hiesigen Webseitenbetreiber hinzugefügt.

Das Original oder die Durchschrift der jeweilig hier aufgeführten Reproduktion der Freistätter “Fürsorgeakte” entnommenen Dokumente, wird auch demnächst eingescannt und hier als php-file abgebildet werden.

[ Erstveröffentlichung auf dieser Webseite: 30. Mai 2006 ]