Der Betreiber dieser nichtkommerziellen Webseite ist der hoch-engagierte Martin Mitchell in Australien (ein ehemaliges “Heimkind” in kirchlichen Heimen im damaligen West-Deutschland)

Hausvater von "Haus Neuwerk" in Anstalt Freistatt im Wietingsmoor, Diakon Artur Kalus,
der den "
Fürsorgehäftling" Martin Mitchell kaum persönlich kennt, da dieser
erst seit dem 27. Februar 1963 in "Haus Neuwerk" untergebracht ist, setzt sich dafür ein,
dass ihm, dem "
Fürsorgehäftling", eine Gefängnisstrafe auferlegt wird,
die nicht auf Bewährung ausgesetzt werden sollte, aber zu verbüsen sei.


Haus Neuwerk [ im Areal der Anstalt Freistatt, bestehend aus vier Häusern, bzw. Gruppen ]

Freistatt, den 5. März 1963


An die
K a n z l e i . [ Moorkanzlei Freistatt ]

[ ANSTALT FREISTATT
im Verband der Anstalt Bethel

2839 FREISTATT
über Sulingen
Niedersachsen
Bundesrepublik Deutschland
]



Betr.
: Martin [ M i t c h e l l ] , geb. 28.7.1946, Schreiben des
Oberstaatsanwalts Kassel [Hessen] vom 28.2.1963

Martin [Mitchell] ist seit dem 27.2.63 in in [unserem vergitterten Haus] Neu-
werk. Seine Aufnahme in [Anstalt] Freistatt erfolgte erstmalig am 11.2.63 und
zwar im Hause Moorhort. Hier entwich er am 26.2.63, indem er sich aus [dem
Oberfenster
] der Toilette im 1. Stock an der Dachrinne herunterließ. Er wurde
[27.2.63] in Minden [an der Weser] Westf[alen], wo er einen Wagen anhielt, in
welchem ein Kriminalbeamter saß, aufgegriffen. Er war hier in einfachem -
[dünnen] [heimeigenen] "Hauszeug" [d.h. Anstaltskleidung] entwichen. Bei der
Rückkehr trug er einen alten Mantel und eine zerschlissene Jacke, die er aus
einer Scheune entwendet haben will. Anzeige dieserhalb ist unseres Wissens
nicht erfolgt.

Bei der Aufnahme in Moorhort wie auch in Neuwerk erklärte er
jeweils, daß er bei der ersten besten Gelegenheit wieder entweichen würde
In Moorhort hat er das wahr gemacht und hier müssen wir täglich damit
rechnen. In der kurzen Zeit, die [der Fürsorgehäftling] [Mitchell]
bei uns ist, zeigt er sich durchaus uneinsichtig und in sei-
nem Reden aufsässig. Er steht in Opposition zu allem, was um ihn
herum und an ihm geschieht. Dies wird auch deutlich aus seinem Lebenslauf,
den er [auf unsere Anordnung hin] bei uns geschrieben hat. Es bestätigt sich
die Feststellung des Landesjugendamtes Pirmasens vom Januar 1963
[obwohl Martin Mitchell noch nie etwas mit jemanden vom Landesjugendamt
Pirmasens persönlich zu tun gehabt hatte
].
[
٪ ]
[Der Fürsorgehäftling] [Mitchell] spricht nicht von seinen Verfehlungen,
sondern nur von den Unterlassungen derer, die sich erzieherisch um ihn bemüht
haben. "Ich appeliere an den gesunden Menschenverstand aller derer,
die mir helfen können und wollen!" [schreibt er in dem Lebenslauf, den er auf unsere Anordnung hin hat schreiben müssen].

Wenn wir den Lebensweg des Jugendlichen überschauen, stellen wir fest:
Seine Einweisung in die FE [Fürsorgeerziehung] erfolgte auf Grund eines
Diebstahls [sic] [zumindest wird es unsseinen jetzigen "Bestimmungs-
personen"
so ausgelegt
]. Die Verhandlung wegen eines anderen Diebstahls
[sic] fand wegen Anordnung der FE [Fürsorgeerziehung] nicht statt [sic]
[zumindest wird es von unsseinen jetzigen "Bestimmungspersonen"so ausgelegt].
[
٪ ]
Im Jahre 1962 [02.04.1962] wurde [der Fürsorgehäftling] [Mitchell]
[vom Amtsgericht Tiergarten in Berlin – Jugendgericht – ] wegen schweren
Diebstahls [nach einer Entweichung vom Jugendhof in Berlin-Schlachtensee
zusammen mit seinem Freund Dieter W[........], ausgelöst durch Mobbing und
Bedrohung der beiden von Seiten anderer dort untergebrachter gewalttätiger
Jugendlichen
] 15 Tagen Jugendarrest verurteilt.
[
٪ ]
Am 17.12.1962 [sic = am 05.09.1962] [in Rengshausen] [während einer Entweichung vom Burschenheim Beiserhaus] nahm er das [Fahr]Rad eines Erziehers mit. Verhandlung dieserhalb steht jetzt in Kassel an.
[
٪ ]
Nach Angaben des Landesjugendamtes Berlin hat [der Fürsorgehäftling]
[Mitchell] auch in Hamburg ein Fahrrad gestohlen [sic = auf keine Weise
belegt !
].
[
٪ ]
In Zwei-Brücken laufen noch noch Verfahren wegen Einbruch und wegen
Betrug [sic] (bezw. Ist aus der Akte nicht festzustellen, ob diese Verfahren
zum Abschluß gebracht worden sind.) Nach Angabe des Jungen zu 3 Wochen Dauerarrest, die durch U-Haft verbüßt waren, verurteilt.

Wir [hier in Anstalt Freistatt, als die jetzigen "Bestimmungspersonen" über
Martin Mitchell
] müssen uns der Auffassung des Landesjugendamtes Berlin in
dem o. a. Schreiben
[von "Fürsorgerin" Frau Dröge vom 23.01.1963] an das Kreisjugendamt Pirmasens anschließen, in dem eine Jugendstrafe, die zu verbüßen wäre, für nötig erachtet wird.
[
٪ ]
Es ist bei [dem Fürsorgehäftling] [Mitchell] nicht damit getan, daß wir unsere
Anstrengungen darauf verwenden, ihn an einer Entweichung zu hindern.
Unter diesem Aspekt wäre keine erzieherische Arbeit zu leisten.
[
٪ ]
Es scheint uns im Augenblick das Wichtigste, daß dem Jungen klargemacht
wird: So geht es nicht weiter! Darum befürworten wir eine Jugendstrafe
[gleichzusetzen mit einer Jugendgefängnis-Strafe]


einverstanden
L

[ L an g ]
[Diakon]


K a l u s
([Diakon] [Artur] Kalus)
Hausvater
[ "Haus Neuwerk" ]


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»Das Symbol "sic" kommt aus dem Lateinischen und nach Aussage des DUDEN bedeutet "so, ebenso; wirklich so ! (mit Bezug auf etwas Vorangegangenes, das in dieser [falschen] Form gelesen oder gehört worden ist)".« Das hier in eckigen Klammern gesetzte Wort, steht genau so in diesem vom DUDEN zitierten Text.

Zur Hervorhebung – fette, kursive und farbige Schrift vom hiesigen Webseitenbetreiber hinzugefügt.

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[ Erstveröffentlichung auf dieser Webseite: 4. Juli 2006 ]