Der Betreiber dieser nichtkommerziellen Webseite ist der hoch-engagierte Martin Mitchell in Australien (ein ehemaliges “Heimkind” in kirchlichen Heimen im damaligen West-Deutschland)

Das Landesjugendamt Berlin – Senator für Jugend und Sport –
am 3. Dezember 1963 , teilt dem “Fürsorgezögling” Martin Mitchell
(der sich zu der Zeit noch immer in Anstalt Freistatt befindet) mit,
dass es bereit ist ihn möglicherweise nach Berlin zu verlegen,
bevor seiner Abreise nach Australien.

Durchschrift

Der Senator für Jugend und Sport
Landesjugendamt

III A 21

1 Berlin 30, den 3. Dezember 1963
Am Karlsbad 8
Fernruf: 710511, App. Neue Rufnummer
Querverb. 9651→←13 01 6: (Intern 976)


App. Nr. 649



Herrn
Martin [Mitchell]
Haus Neuwerk [ Anstalt Freistatt ]

2839 Freistatt ü. Sulingen
Rudolf Hardt Str. 49




Lieber Martin !

Deinen Brief habe ich erhalten und in der Anlage übersende ich dem Heim [An-
stalt Freistatt
] auch die beantragte Einwilligungs-erklärung zu Deiner Auswan-
derung. Zu der Frage Deiner Verlegung möchte ich erst Stellung nehmen, wenn
der angekündigte Antrag von der Heimleitung [der Anstalt Freistatt] bei mir vorliegt, was bisher nicht der Fall ist. Weiterhin habe ich die Auswanderungs-behörden gebeten, mir mitzuteilen, auf wie lange Zeit sich die For-
malitäten bis zu Deiner Abreise belaufen können, damit wir evtl.
die Verlegung nicht vornehmen müssen. Sollte dieser Umstand aber doch
erforderlich werden, so muß ich Dir mitteilen, daß Du weder zu Deiner
Tante nach Pirmasens noch zu Deinen Familienangehörigen in Berlin für
die Zeit ziehen kannst, sondern die Unterbringung in einem Berliner Heim
[dem Haus 12, im Jugendhof in Berlin-Schlachtensee, Bezirk Zehlendorf]
nötig wird, wo ich Dir aber versprechen kann, daß Du Ausgang ha-
ben wirst, um Deine privaten Gänge zu erledigen. Alles weitere schrei-
be ich Dir, wenn mir Näheres bekannt wird.


Mit freundlichen Grüßen

[ "Fürsorgerin" ] P a a s c h


Die Nutzung eckiger Klammern für spezifische Zwecke ist international: eckige Klammern werden benutzt um zu kennzeichnen, dass ein Wort oder einText so eingeklammert, nicht im zitierten oder reproduzierten Original vorhanden ist, aber zur besseren Erklärung hinzugefügt worden ist.

»Das Symbol "sic" kommt aus dem Lateinischen und nach Aussage des DUDEN bedeutet "so, ebenso; wirklich so ! (mit Bezug auf etwas Vorangegangenes, das in dieser [falschen] Form gelesen oder gehört worden ist)".« Das hier in eckigen Klammern gesetzte Wort, steht genau so in diesem vom DUDEN zitierten Text.

Zur Hervorhebung – fette, kursive und farbige Schrift vom hiesigen Webseitenbetreiber hinzugefügt.

Das Original oder die Durchschrift der jeweilig hier aufgeführten Reproduktion der Freistätter “Fürsorgeakte” entnommenen Dokumente, wird auch demnächst eingescannt und hier als php-file abgebildet werden.

[ Erstveröffentlichung auf dieser Webseite: 30. Mai 2006 ]