Der Betreiber dieser nichtkommerziellen Webseite ist der hoch-engagierte Martin Mitchell in Australien (ein ehemaliges “Heimkind” in kirchlichen Heimen im damaligen West-Deutschland)

Ein von der Anstaltsleitung Freistatt umgeänderter Bericht, vom 10. Juli 1963,
an das Landesjugendamt Berlin – Senator für Juged und Sport – betreffend
einer erneuten Entweichung des Martin Mitchell aus Anstalt Freistatt,
während eines Zahnarztbesuches im Dorf, am 4. Juli 1963,
seiner Wiedergefangennahme, und der daraus entstehenden Folgen für ihn.


[ ANSTALT FREISTATT
im Verband der Anstalt Bethel ]

[ Anstaltsleiter von 1954 - 1979
Pastor Karl-Heinz Lähnemann
]


[ 2839 FREISTATT
über Sulingen
Fernruf: Barver 221
Bankkonto: Kreisparkasse Sulingen 54
Postscheckkonto: Hannover 56581 ]


[ Durchschrift ]

K.






10.7.63

An den
Senator für Jugend und Sport
–Landesjugendamt–

1 B e r l i n 30
Am Karlsbad 8


Betr.:
Martin [ M i t c h e l l ], geb. 28.7.1946
Az.: III D 2 b

Am Donnerstag, den 4.7.63, meldeten sich Martin
[Mitchell] und Martin K[.....] beim Hausvater und baten zum
Zahnarzt gehen zu dürfen. Insgesamt wurden 6 Jungen durch
einen Erzieher zum Zahnarzt [im Dorf] geführt. Auf dem Rückweg
vom Zahnarzt in unser Heim [Neuwerk], entwich Martin [ M i t c h e l l ]
in Richtung Kirche. Hinterhergeschickte Jungen konnten
ihn nicht einholen. Aufgrund eines Anrufes konnte
[Mitchell] gegen 21,30 Uhr in Sulingen gestellt werden.
Er lief in ein Erdbeerfeld, wehrte sich, schlug um sich und biß. Es kam zu
einem Handgemenge
[mit 2 "Vertrauensburschen", die Hausvater Kalus in
seinem Auto aus Freistatt mitgebracht hatte
]. Dies hatte sich bereits abgespielt
als der Hausvater eintraf. Der Hausvater sah [Mitchell] an der
Tankstelle liegen. Der Aufforderung ihm zu folgen, widersetzte
er sich
, brüllte und strampelte. Der Versuch ihn hochzu-
heben und ins Auto zu bringen, scheiterte. Er schrie wie ein
wildes Kind, welches nicht weiß, warum es schreit.
Auch beim Zuspruch und Zugriff der Polizeibeamten, die [von einigen
Passanten, die von dieser Verprügelung sehr beunruhigt waren
]
herbeigerufen worden waren, leistete er Widerstand, schlug
um sich und biß
. Dabei wußte er überhaupt nicht mehr,
wer sich jeweils mit ihm befaßte. Da ein Auflauf entstand,
brachte man [Mitchell] in die Wagenhalle der Tankstelle Stöver.
Auch hier änderte [Mitchell] sein Verhalten nicht. Nach
langem Bemühen nahmen ihn die Polizeibeamten mit zur Wache.
Als der Hausvater mit seinem Wagen dort ankam und ihn
übernehmen wollte, kam es zu erneuten Auseinandersetzungen,
bei der sich 4 Personen einsetzen mußten. Es blieb den
Polizeibeamten nichts anderes übrig, als ihn anzuschließen.
Nun ging [Mitchell] mit zum Wagen und ließ sich ohne weiteren
Widerstand nach Hause führen [bzw. in die 20km entfernte Anstalt Freistatt zurückbringen]. [Nach Ankunft in Haus Neuwerk:] Im Heim verhielt er sich
wieder renitent, so daß er vom Hausvater [Artur Kalus] einige
Backenstreiche erhielt.

––––––––––––––––––––––––––––––

In der Anlage überreichen wir Ihnen einen Brief von Martins
Vater [hier eingegegangen aus Australien, und adressiert an den Empfän-
ger
Martin Mitchell
], den wir ihm [Martin, aber] nicht ausgehändigt haben.
Wir bitten um Rückgabe des Briefes.


Die Anstaltsleitung
I. A.


L a n g


( Lang ) [Diakon]


Die Nutzung eckiger Klammern für spezifische Zwecke ist international: eckige Klammern werden benutzt um zu kennzeichnen, dass ein Wort oder einText so eingeklammert, nicht im zitierten oder reproduzierten Original vorhanden ist, aber zur besseren Erklärung hinzugefügt worden ist.

»Das Symbol "sic" kommt aus dem Lateinischen und nach Aussage des DUDEN bedeutet "so, ebenso; wirklich so ! (mit Bezug auf etwas Vorangegangenes, das in dieser [falschen] Form gelesen oder gehört worden ist)".« Das hier in eckigen Klammern gesetzte Wort, steht genau so in diesem vom DUDEN zitierten Text.

Zur Hervorhebung – fette, kursive und farbige Schrift vom hiesigen Webseitenbetreiber hinzugefügt.

Das Original oder die Durchschrift der jeweilig hier aufgeführten Reproduktion der Freistätter “Fürsorgeakte” entnommenen Dokumente, wird auch demnächst eingescannt und hier als php-file abgebildet werden.

[ Erstveröffentlichung auf dieser Webseite: 20. Juni 2006 ]