Der Betreiber dieser nichtkommerziellen Webseite ist der hoch-engagierte Martin Mitchell in Australien (ein ehemaliges “Heimkind” in kirchlichen Heimen im damaligen West-Deutschland)

Bericht vom Hausvater von "Haus Neuwerk" in Anstalt Freistatt im Wietingsmoor,
Diakon Artur Kalus, vom 25. Juni 1963, worin er, unter anderem, vorschlägt
den "
Fürsorgehäftling" Martin Mitchell – dessen Wünschen entsprechend –
zu seinen Eltern nach Australien auswandern zu lassen.


Haus Neuwerk [ im Areal der Anstalt Freistatt, bestehend aus vier Häusern, bzw. Gruppen ]

Freistatt, den 25. 6. 1963


An die
K a n z l e i . [ Moorkanzlei Freistatt ]

[ ANSTALT FREISTATT
im Verband der Anstalt Bethel

2839 FREISTATT
über Sulingen
Niedersachsen
Bundesrepublik Deutschland
]



Betr.
: Martin [ M i t c h e l l ] , geb. 28.7.1946, Schreiben des
Landesjugendamtes Berlin vom 14.5.63

Wir berichteten über [den, sich seit dem 11. Februar 1963 in unserer Anstalt befindenden "Fürsorgehäftling"] Martin [Mitchell] zuletzt am 5.3.63. Martin
hat inzwischen seinen [ihm von dem Jugendschöffengericht in Sulingen,
am 26. April 1963 auferlegten
] ["]Dauerarrest["] [in völliger Isolation
in einer vollständig leeren Zelle in unserer Anstalt Freistatt**] verbüßt.
In dieser Zeit war ihm nicht der Freiheitsentzug das Schwerste,
sondern, daß er nur zugeteilte Essenmengen erhielt [bzw. weitgehend
nur Wasser und Brot
, dass er während dieser Zeit von uns erhielt ! ].
Martin ist ein starker Esser.

Martin gibt sich Mühe, den Anordnungen des Heimes nachzukommen.
Die Opposition den Erwachsenen gegenüber ist immer noch groß.
Anordnungen widerspricht er zunächst, lenkt dann aber aufgrund
seiner Erfahrungen [mit vorherigen ihm auferlegten Bestrafungen und
"körperlichen Züchtigungen"] ein. Bei der Arbeit ist Martin gründlich aber
langsam. Ein Arbeitswettbewerb [bzw. ihm, wie auch ebenfalls den anderen
"Fürsorgehäftlingen", aufgezwungene Akkordarbeit, im Moor, in der
Landwirtschaft
, im Garten, im Straßenbau oder im Hausbetrieb, im Laufschritt] spornt ihn an.

Im Blick auf das Verhalten zu den anderen Jungen des Hauses muß
man Martin als Einzelgänger bezeichnen; er hat niemanden, mit
dem er sich auch nur besser verstünde. Darum verbringt er seine
Freizeit ausschliesslich im Leseraum
[die einzige Nichtraucherzone;
einem Bereich wo wir auf absolutes Sprechverbot bestehen – ] und liest
oder schreibt
.
[
٪ ]
Besondere Lust hat er am technischen Zeichnen.
[
٪ ]
Bezüglich Ordnung und Sauberkeit ist über Martin nicht zu klagen.

Bis vor kurzem hatte Martin den Wunsch, in Berlin Maurer zu lernen.
Nachdem sein Vater [der seit dem 2. November 1962 mit seiner 2. Frau und
drei Kindern aus zweiter Ehe in Australien wohnt
] ihn über das Australische
Konsulat aufgefordert hat, nach Australien zu kommen, möchte er am
liebsten sofort abreisen.

Martins Verhalten zur Umwelt wird von Opportunismus bestimmt.
Er steuert sich weitgehend über den Verstand [Na so was!]. Nach
seinen Anlagen und Trieben möchte er ganz sicher etwas anderes tun,
als in festgelegten Bahnen zu leben. Es ist der Ueberlegung wert,
ob es nicht das Richtige wäre, Martin nach Australien auswandern
zu lassen. –



K a l u s
([Diakon] [Artur] Kalus)
Hausvater
[ "Haus Neuwerk" ]


[
**
Nur eine Bible tagsüber und ein Faltbett des Nachts waren ihm erlaubt während des "Dauerarrests".]


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Zur Hervorhebung – fette, kursive und farbige Schrift vom hiesigen Webseitenbetreiber hinzugefügt.

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[ Erstveröffentlichung auf dieser Webseite: 12. Juli 2006 ]