Der Betreiber dieser nichtkommerziellen Webseite ist der hoch-engagierte Martin Mitchell in Australien (ein ehemaliges “Heimkind” in kirchlichen Heimen im damaligen West-Deutschland)

Anstaltsleiter von Anstalt Freistatt Pastor Karl-Heinz Lähnemann,
der den "
Fürsorgehäftling" Martin Mitchell überhaupt nicht persönlich kennt
und ihm noch nie begegnet ist, am 6. März 1963, setzt sich dafür ein,
dass ihm, dem "
Fürsorgehäftling", eine Gefängnisstrafe auferlegt wird,
die nicht auf Bewährung ausgesetzt werden sollte, aber zu verbüsen sei.


[ ANSTALT FREISTATT
im Verband der Anstalt Bethel ]

[ Anstaltsleiter von 1954 - 1979
Pastor Karl-Heinz Lähnemann
]


[ 2839 FREISTATT
über Sulingen
Fernruf: Barver 221
Bankkonto: Kreisparkasse Sulingen 54
Postscheckkonto: Hannover 56581 ]


[ Durchschrift ]








6. März 1963

An den
Senator für Jugend und Sport
–Landesjugendamt–

1 B e r l i n 30
Am Karlsbad 8

T 4 X

Betr.:
Martin [ M i t c h e l l ], geb. 28.7.1946
Az.: III D 2 b

Von der Oberstaatsanwaltschaft in Kassel [Hessen] erhalten wir unter
dem 28.2.d.J. –35 Js loe2/62– die beiliegende Anklageschrift [worin
Martin Mitchell vorgeworfen wird, während einer Entweichung vom

Burschenheim Beiserhaus, in Renshausen, bei Kassel, in Hessen,
einem Erzieher am 05.09.1963 sein Fahrrad entwendet zu haben
]
und werden um Jugendbericht gebeten. Wir bitten, den Bericht
von dort zu erstatten.

Martin befindet sich [erst] seit dem erst 11.2.1963 in [Anstalt] Freistatt
und war zunächst im Heim Moorhort untergebracht. Dort entwich er
am 26.2.d.J., indem er sich aus dem [Ober]Fenster der Toilette im 1. Stock an
der Dachrinne herunterließ. Er wurde in Minden [an der Weser] i. W[estfalen]
aufgegriffen, als er einen Wagen anhielt, in dem ein Kriminalbeamter saß.
Er war hier in [dünner] Hausbekleidung [d.h. Anstaltskleidung] weggelaufen, bei seiner Zuführung trug er einen alten Mantel und eine zerschlissene Jacke,
die er aus einer Scheune entwendet haben will. Anzeige ist u.W.
dieserhalb nicht erfolgt. Seit dem 27.2.d.J. befindet sich
Martin in [unserem vergitterten Haus] Neuwerk.

Sowohl in Moorhort als auch in Neuwerk erklärte er sofort bei
der Aufnahme, bei der ersten sich bietenden Gelegenheit werde
er wieder entweichen. In Moorhort hat er das getan, in Neuwerk
müssen wir täglich damit rechnen. Er ist uneinsichtig und in
seinem Reden aufsässig. Zu allem, was mit ihm geschieht, steht er
in Opposition, das wird auch in dem Lebenslauf deutlich, den er
hier [auf unsere Anordnung hin] geschrieben hat [bzw. hat schreiben müssen].
[
٪ ]
Er [der Fürsorgehäftling Martin Mitchell] sprich nicht von seinen Verfehlun-
gen, sondern nur von den Unterlassungen derer, die sich erzieherisch
um ihn bemüht haben.

Wenn wir den Lebensweg des Jungen überblicken, stellen wir
fest, daß die Einweisung in Fürsorgeerziehung aufgrund eines Diebstahles
erfolgte [sic] [zumindest wird die "zum Schutze des Jungen" am 14.07.1961 vom Amtsgericht Tiergarten in Berlin – Jugendgericht – "angeordnetet
Fürsorgeerziehung"
, von unsseinen jetzigen "Bestimmungspersonen"
so ausgelegt
].
[
٪ ]
Im Jahre 1962 [02.04.1962] erhielt er [der Fürsorgehäftling Martin Mitchell]
[vom Amtsgericht Tiergarten in Berlin – Jugendgericht – ] wegen schweren
Diebstahls [nach einer Entweichung vom Jugendhof in Berlin-Schlachtensee
zusammen mit seinem Freund Dieter W[........], ausgelöst durch Mobbing und
Bedrohung der beiden von Seiten anderer dort untergebrachter gewalttätiger
Jugendlichen
] 15 Tage Jugendarrest.
[
٪ ]
Am 17.12.1962 [sic = am 05.09.1962] [in Rengshausen] [während einer Entweichung vom Burschenheim Beiserhaus] nahm er das [Fahr]Rad eines Erziehers weg.
[
٪ ]
Angeblich sind die Straftaten [am 08.01.1963] [Diebstahl einer Bohrmaschine
von seinem Arbeitgeber (ausserhalb Schopp, bei Kaiserslautern / Pirmasens, Rheinland-Pfalz) und die Falschangabe am dortigen Arbeitsplatz seines Alters
um einen höheren Lohn zu bekommen
] in Zwei-Brücken [sic] mit 3 Wochen
Dauerarrest gesühnt worden, die mit der [kurzen, von ihm in Zwei-Brücken
verbrachten
] Untersuchungshaft als verbüßt gelten.
[
٪ ]
Wir [hier in Anstalt Freistatt, als die jetzigen "Bestimmungspersonen" über
Martin Mitchell
] schließen uns der Auffassung des Landesjugendamtes [Berlin]
an, wie sie im Schreiben [von "Fürsorgerin" Frau Dröge vom 23.01.1963] an
das Kreisjugendamt Pirmasens vom [23.] Januar d.J. zum Ausdruck kommt
[obwohl Martin Mitchell noch nie etwas mit jemanden vom Landesjugendamt
Pirmasens persönlich zu tun gehabt hatte
].
[
٪ ]
Eine erzieherische Arbeit an ihm [Martin Mitchell] nur unter dem Aspekt
des ständigen Aufpassens, daß er nicht entweicht, dürfte nicht
weiterführen. Dem Jungen müßte klargemacht werden, daß es
so nicht weitergeht, darum befürworten wir [hier in Anstalt Freistatt, als
die jetzigen
"Bestimmungspersonen" über Martin Mitchell] eine Jugend-
strafe
, die zu verbüßen wäre.

Gleichzeitig bitten wir, das Verfahren [betreffend des Diebstahls des Fahrrads
des Erziehers in Rengshausen, bei Kassel, in Hessen
] an die hier zuständige
Staatsanwaltschaft Verden/Aller [in Niedersachsen] abzugeben, das
dürfte möglich sein, da es sich nur um 1 Sache handelt.
Wenn wir den Jungen zum Termin nach Hessen bringen müssen,
wird es notwendig, daß 2 Erzieher mehre[re] Tage hier vom Dienst
abwesend sind. Das könnte durch Verlegung nach hier vermieden
werden. Zuständig ist das Amtsgericht Sulingen.

Die Anstaltsleitung
[ L ä h n e m a n n ]
Lähnemann


, Pastor


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[ Erstveröffentlichung auf dieser Webseite: 4. Juli 2006 ]