Der Betreiber dieser nichtkommerziellen Webseite ist der hoch-engagierte Martin Mitchell in Australien (ein ehemaliges “Heimkind” in kirchlichen Heimen im damaligen West-Deutschland)

Persönliche Ansichten und Voreingenommenheiten der "Fürsorgerin" Frau Paasch
vom Landesjugendamt Berlin – Senator für Jugend und Sport –
betreffend den in Anstalt Freistatt auf ihre Anweisung hin internierten Zögling
Martin Mitchell, niedergelegt in einem Schreiben ihrerseits vom 12. Juli 1963,
worin sie allein bestimmt, dass Martin Mitchell "aus pädagogischen Gründen",
für unabsehbare Zeit, weiterhin in Freistatt verbleiben müsse,
und man ihm nicht erlauben dürfe nach Australien auszuwandern.



DER SENATOR FÜR JUGEND UND SPORT
LANDESJUGENDAMT

Geschäftszeichen: III D 2 1 – Ni 280746

1 BERLIN W 35, DEN 12 . Juli 1963
AM KARLSBAD 8
FERNRUF: 710511, App. 849
(965) 849 (nur im Innenbetrieb)

An die
Anstalt Freistatt
2839 Freistatt u Sulingen
–––––––––––––––––––––––––––

Anstalt Freistatt
Eing. 12. JULI 1963



Betr.: Martin [ M i t c h e l l ] , geb.am 28.7.1946

Anliegend übersende ich Ihnen zur weiteren Veranlassung die Zahl-
karte und das Anschreiben der Gerichtskasse Ludwigshafen [Pfalz]. Ihren
Bericht vom 26. Juni 1963 habe ich dankend erhalten. Es ist erfreu
lich, zu hören, daß Ihre Heimordnung es bereits geschaft hat, den
Jugendlichen soweit zu beeindrucken, daß er von sich aus bemüht ist,
wieder einzulenken. Die Frage, ob es nicht günstiger wäre, in Mar-
tin
wirklich eine abnorme Persönlichkeit zu sehen und ihm, seinen
Neigungen entsprechend, mehr Freiheit zu bieten und ihn nach Austra-
lien auswandern zu lassen
, muß ja wohl im allgemeinen bejaht werden.
[
٪ ]
Es wäre für Martin sicherlich angebracht, wenn er mit dem Lebenbs-
kampf direkt konfrontiert würde
. Dennoch muß ich aus pädagogischen
Gründen diese Überlegung verneinen
. Da die gesamten Geschwister [Mit-
chell] aus erster Ehe bereits bis auf Martin nach einiger Zeit eine
normale und gute Entwicklung genommen haben, muß ich annehmen, daß
auch bei Martin noch eine Möglichkeit zur Sozialisierung besteht.
[
٪ ]
Es ist nicht gut möglich, diesen Jugendlichen wieder in die Fänge
des Vaters zu geben
, noch dazu in dem weiten Ausland mit seinen
großen Gefahren
, wie sie Australien in sich birgt.

Im Auftrage
P a a s c h
["Fürsorgerin"] (Paasch)

[ (Stempel:) KANZLEI - DER SENATOR FÜR JUGEND UND SPORT – BERLIN ]


Beglaubigt:
W al z
Kanzleivorsteherin


Moorkanzlei, den 27.2.63
G. R. an
Hv Kalus Neuwerk
...............................................
...............................................
I. A. L a n g [Diakon]


Nach Kenntnisnahme zurückgereicht.
Neuwerk, den..........
1.III.........1963
Mit freundlichem Gruß
K a l u s
[ Diakon Artur Kalus,
Hausvater "Haus Neuwerk" ]


Die Nutzung eckiger Klammern für spezifische Zwecke ist international: eckige Klammern werden benutzt um zu kennzeichnen, dass ein Wort oder einText so eingeklammert, nicht im zitierten oder reproduzierten Original vorhanden ist, aber zur besseren Erklärung hinzugefügt worden ist.

»Das Symbol "sic" kommt aus dem Lateinischen und nach Aussage des DUDEN bedeutet "so, ebenso; wirklich so ! (mit Bezug auf etwas Vorangegangenes, das in dieser [falschen] Form gelesen oder gehört worden ist)".« Das hier in eckigen Klammern gesetzte Wort, steht genau so in diesem vom DUDEN zitierten Text.

Zur Hervorhebung – fette, kursive und farbige Schrift vom hiesigen Webseitenbetreiber hinzugefügt.

Das Original oder die Durchschrift der jeweilig hier aufgeführten Reproduktion der Freistätter “Fürsorgeakte” entnommenen Dokumente, wird auch demnächst eingescannt und hier als php-file abgebildet werden.

[ Erstveröffentlichung auf dieser Webseite: 20. Juni 2006 ]